Was ist Strategie?

Strategieberatung

Was ist Strategie?

Strategie ist für die Unternehmensführung ein wichtiges Thema, weil sie maßgeblich zum Unternehmenserfolg beiträgt. Doch was ist Strategie eigentlich?

Um der Frage „Was ist Strategie?“ nachzugehen, betrachten wir im Folgenden vier Bereiche:

  1. Was ist Strategie? Strategieverständnis
  2. Ursprung von Strategie
  3. Herkunft des Strategiebegriffs
  4. Strategische Denkmethodik

Was ist Strategie? Strategieverständnis

Das Wort Strategie entstammt dem altgriechischen Wort Strataegeo. „Der erste Wortteil »stratos« heißt dabei:

  • Etwas weit Ausgebreitetes und alles andere Überlagerndes, im geistigen wie im materiellen Sinne;
  • Etwas, das alles andere umfaßt, übergreift und in sich enthält;
  • Etwas, das deshalb in der Hierarchie der Zwecke und Ziele eine übergeordnete Bedeutung hat.

Der zweite Wort-Teil »igo« heißt tun und handeln. (Gälweiler, 1987 S. 65)“

Der Duden beschreibt Strategie als „genauer Plan des eigenen Vorgehens, der dazu dient, ein militärisches, politisches, psychologisches, wirtschaftliches o. ä. Ziel zu erreichen, und in dem man diejenigen Faktoren, die in die eigene Aktion hineinspielen könnten, von vornherein einzukalkulieren versucht. (Dudenverlag)“

In den Wirtschaftswissenschaften etablierte sich der Strategiebegriff in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Spieltheorie, bei der Entscheidungen analysiert werden, unter der Berücksichtigung der Reaktionen anderer Akteure (Spieler) (Dillerup, et al., 2013 S. 168). Demzufolge ist Strategie ein vollständiger Plan, der für alle Situationen, die denkbar sind, eine wahre Möglichkeit zur Wahl beinhaltet (Neumann, et al., 2004). „Dieser Plan berücksichtigt sowohl eigene Aktionen, als auch die der gegnerischen Spieler. (Dillerup, et al., 2013 S. 168)“

In der Betriebswirtschaftslehre etablierte sich der Strategiebegriff zunächst in den USA durch die Arbeiten von Ansoff (1965), Chandler (1962) und Andrews (1971). „Sie prägten das klassische Strategieverständnis, nach dem eine Strategie das Ergebnis formalisierter, rationaler Planung und Kontrolle ist (Dillerup, et al., 2013 S. 168).“ Folgende Beispiele belegen, dass dieses Begriffsverständnis sich in leicht veränderter Form in den meisten Veröffentlichungen wiederfindet (Dillerup, et al., 2013 S. 168 f.):

  • „Andrews (1971 S. 28) versteht Strategie als ein Muster grundsätzlicher Ziele, Zwecke und wesentlicher Leitlinien sowie der Pläne für deren Erreichen.
  • Chandler (1962 S. 23) definiert Strategie als Maßnahmenbündel und Ressourcenzuordnung zur Erreichung grundlegender, langfristiger Ziele eines Unternehmens.
  • Porter (1999 S. 70 ff.) beschreibt Strategie als Aufbau einer einzigartigen und werthaltigen Marktposition des Unternehmens.
  • Drucker (1986) verkürzt Strategie auf die Devise: „Doing the right things!“. Es geht demnach nicht darum, etwas richtig zu tun, sondern das Richtige zu tun. Kernaufgabe eines Unternehmens ist es, die Kunden mit den angebotenen Problemlösungen zufrieden zu stellen. Dies soll mit möglichst effizientem Ressourceneinsatz erreicht werden.
  • Bea und Haas (2009) sehen Strategien als Maßnahmen zur Sicherung des langfristigen Unternehmenserfolgs an.“
  • Für Henderson (2000 S. 22) ist Strategie die „langfristige, nicht unmittelbar erkennbare Führung eines Systems über längere Zeiträume.“ Seiner Meinung nach, muss eine gute Strategie „in erster Linie auf Logik aufbauen, weniger auf intuitiv abgeleiteter Erfahrung.“
  • „Strategie bedeutet [..], sein Denken, Entscheiden und Handeln an den übergeordneten oder obersten Zielen oder Zielvoraussetzungen zu orientieren und sich dabei nicht durch vordergründige Dringlichkeiten, d.h. Augenblicksvorteile und -nachteile, ablenken zu lassen.“ (Gälweiler, 1987 S. 66)

Urpsprung von Strategie

Henderson (2000) sieht den Ursprung der Strategie im natürlichen Wettbewerb, der so alt ist, wie das Leben selbst. In den Jahrmillionen der Entstehungsgeschichte unserer heutigen Welt, entwickelte sich eine Unzahl an Lebewesen, die miteinander konkurrierten. Dabei wirkte ein Prinzip, dass auch in der heutigen Unternehmenswelt Gültigkeit besitzt:

„Je reichhaltiger die Umwelt, desto höher die Zahl der Konkurrenten, desto härter der Konkurrenzkampf. Je reichhaltiger das Angebot, desto geringer aber auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Konkurrenten. (Henderson, 2000 S. 26)“

Dieser Wettbewerb entsteht und steigt besonders dann, wenn benötigte Ressourcen knapp sind. So besagt das Konkurrenzausschlussprinzip nach Gause-Volterra, dass sich zwei Lebensformen entweder voneinander unterscheiden, besonders in der Nutzung der knappen Ressourcen, wobei es sich i. d. R. um Nahrung und Lebensraum handelt, oder eine der Arten wird verdrängt bzw. ausgerottet. Dabei verdrängen sie anpassungsfähigsten Arten alle übrigen (Henderson, 2000 S. 27).

Herkunft des Strategiebegriffs

Strategie war ursprünglich die Kunst der Staatsführung, die damit zwangsläufig auch die Kriegsführung mit einschloss. Die Einengung auf den militärischen Bereich, die uns eher geläufig ist, wurde erst zu einer späteren Zeit vollzogen. Dabei wurde mit der Zeit aus einem sehr weitläufigen Strategiebegriff immer mehr die Kunst der Kriegsführung. bzw. die der Kriegsherrenkunst (Gälweiler, 1987 S. 66).

Im Laufe der weiteren Entwicklungen differenzierte man zwischen der Strategie, der Taktik und dem Zwischenstück der beiden, die Lehre der operativen Kriegsführung. Taktik ist die „Lehre von den Verhaltensregeln, die im Ausführungsablauf ihre Beachtung erfordern“ (Gälweiler, 1987 S. 66) Der chinesische General Sun Tsu Wu sagte dazu 500 v. Chr. (Henderson, 2000 S. 29):

„Alle sehen die Taktik meiner Eroberungen, aber niemand erkennt die Strategie, aus der der Sieg erwächst.“

Somit sind Taktik und Operation der Strategie untergeordnet. „Taktik lässt sich aus Erfahrung ableiten. Strategie nicht. (Henderson, 2000 S. 36)“

Das äußere Kennzeichen dieser Entwicklung war die Zunahme des relativen Anteils nicht-militärischer Wissenselemente. Demnach wurden immer mehr Faktoren aus dem gesamten Bereich um das militärische System herum einbezogen, die für den Erfolg wichtig sein können, wie z. B. politische, soziale, psychologische, ökonomische, technologische Elemente und Aspekte (Gälweiler, 1987 S. 66f.).

Strategische Denkmethodik

Diese Methodik, die typisch ist für die Charakteristik strategischen Denkens, Entscheidens und Handelns, hat ihren Ursprung in der Militärstrategie, die heute ein weltweit anerkannter Zweig der Militärwissenschaft und militärischen Führungsausbildung ist. Dort wurde sie auch systematisch weiterentwickelt. (Gälweiler, 1987 S. 59)

Die Militär- und die Unternehmensstrategie verbinden eine gleiche Denkmethodik (siehe auch: Abgrenzung Unternehmensstrategie zur Militärstrategie), deren Kenntnis notwendig ist, um Probleme bei der Erarbeitung von Strategien zu vermindern (Gälweiler, 1987 S. 64). Diese Methodik geht bei der Erarbeitung geistiger Erkenntnisse so vor, dass das bestmögliche Verhalten erzielt werden kann (Gälweiler, 1987 S. 58). Dabei liegt es im Wesen des strategischen Denkansatzes, über den eigenen Führungs- und Einflussbereich hinauszugehen (Gälweiler, 1987 S. 67).

Die Grundlagen und Regeln für das strategische Denken, Entscheiden und Handeln sind dabei stets empirischer Art. Strategie ist also eine Erfahrungswissenschaft, die es erlaubt, aus den empirisch gewonnenen Erkenntnissen, Grundlagen von einer nahezu allgemeingültigen Gesetzmäßigkeit zu entwickeln. Diese Grundregeln müssen schon allein deswegen beachtet werden, weil ein Unterlassen den angestrebten Entscheidungs- und Handlungserfolg gefährden und in Frage stellen würde. (Gälweiler, 1987 S. 64)

„Nur eine klare und eindeutige Erkenntnis der für das strategische Denken, Entscheiden und Handeln spezifischen Eigenheiten läßt uns begreifen, warum es spezifisch strategische Denkansätze gibt im Gegensatz zu solchen nicht-strategischer Art und warum die aus den strategischen Denkansätzen resultierenden Entscheidungs- und Handlungskonsequenzen nicht nur eine langfristig höhere Wirkungspotenz besitzen. (Gälweiler, 1987 S. 58)“

Ich hoffe, ich konnte die Frage „Was ist Strategie?“ angemessen beantworten. Sollten Sie noch Fragen haben, schreiben Sie einfach in die Kommentare.

Q U E L L E N:
Gälweiler, A. 1987. Strategische Unternehmensführung. 3. Aufl. Frankfurt/New York : Campus, 1987.
Dillerup, R. und Stoi, R. 2013. Unternehmensführung. München : Franz Vahlen, 2013.
Neumann, J. und Morgenstern, O. 2004. Theory of games and economic behavior. 60. Princeton : s.n., 2004.
Ansoff, H. I. 1965. Corporate Strategy: An Analytical Approach to Business Policy for Growth and Expansion. New York : s.n., 1965
Chandler, A. D. 1962. Strategy and Structure: Chapters in the History of American Industrial Enterprise. 20. Aufl. Cambridge : s.n., 1962.
Porter, M. E. 1999. Wettbewerb und Strategie. München : s.n., 1999.
Drucker, P. F. 1986. The Frontiers of Management: Where Tomorrow's Decisions are Being Shaped Today. New York : s.n., 1986.
Bea, F. X. und Haas, J. 2009. Strategisches Management. 5. Aufl. Stuttgart : s.n., 2009.
Henderson, B. D. 2000. Das Konzept der Strategie. [Hrsg.] Bolko v. Oetinger. Das Boston Consulting Group Strategie-Buch: Die wichtigsten Managementkonzepte für den Praktiker. 7. Auflage. Düsseldorf : Econ, 2000. engl. 1980.

Mein Name ist Gerrit Hamann. Ich wohne und arbeite in der Metropolregion Rhein-Neckar, in Mannheim. Hier studierte ich BWL und sammelte über 18 Jahre Praxiserfahrung in unterschiedlichen Branchen, vornehmlich in Führungspositionen, und als mehrfacher Gründer. Ich wurde zertifiziert durch die Offizielle Qualitätsgemeinschaft internationaler Wirtschaftstrainer und
 -berater e.V. sowie durch das Institut für Trainingsentwicklung
 und Methodenforschung. Außerdem bin ich Autor mehrerer Publikationen in den Fachbereichen Volks- und Betriebswirtschaft.

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